Freitag, 1. April 2022

👪 Mehrfachmorde in Hinterkaifeck🔪

👪 Mehrfachmorde in Hinterkaifeck🔪


Der Einödhof Hinterkaifeck war der Tatort eines bislang nicht aufgeklärten Mehrfachmordes. 

 


Auf dem heute nicht mehr existierenden Anwesen, das 500 m südwestlich des Dorfes Gröbern im heutigen Gemeindegebiet von Waidhofen in Oberbayern lag, wurden in der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 alle sechs Bewohner ermordet, indem ihnen mit einer Reuthaue massive Kopfverletzungen beigebracht wurden. 

 

 

Bei den Getöteten handelte es sich um das Austragsbauernehepaar Andreas (64 Jahre) und Cäzilia (72 Jahre) Gruber, deren verwitwete Tochter Viktoria Gabriel (35 Jahre), deren Kinder Cäzilia (7 Jahre) und Josef (2 Jahre) sowie die Magd Maria Baumgartner (45 Jahre).

 
Der ungeklärte Sechsfachmord gehört deutschlandweit zu den bekanntesten Kriminalfällen und stößt noch heute aufgrund der außergewöhnlichen Umstände der Tat auf reges Interesse in der Öffentlichkeit.

 


 
Bau und Lage des Hofes von Hinterkaifeck

Der Hof Hinterkaifeck wurde um 1863 errichtet, nachdem das Areal zuvor offene Flur gewesen war. Zum Zeitpunkt der Morde bestand die Anlage aus einem eingeschossigen langgestreckten Wohn- und Stallgebäude, an das rechtwinklig ein größerer Scheunentrakt (der Stadel) angeschlossen war.

 
                                                              Hausnummer 27 1/2

Etwa ein Jahr nach den Morden wurde die gesamte Hofanlage abgerissen, nachdem sich aufgrund der Bluttat kein Nachnutzer finden ließ. Da später kein neues Anwesen an der Stelle errichtet wurde, ist der Hausname nur noch eine geschichtliche Bezeichnung. 

 

 

Das ehemalige Hofgelände von Hinterkaifeck ist heute eine landwirtschaftliche Nutzfläche, Spuren der Bebauung sind nicht mehr erkennbar.

 


Geschehnisse vor der Tat

Bereits einige Zeit vor der Tat häuften sich merkwürdige Vorkommnisse in und um Hinterkaifeck: So wurde Mitte März 1922 in der Nähe von Hinterkaifeck ein Exemplar der Münchner Zeitung gefunden, die in der Region nicht verbreitet war. 

 

 

Der Austragsbauer Andreas Gruber glaubte zunächst, der Postbote habe die Zeitung verloren, was aber nicht der Fall gewesen sein konnte, da niemand in der näheren Umgebung diese Zeitung abonniert hatte. 

 

                                                                Andreas Gruber

Einige Tage vor der Tatnacht entdeckte Gruber zudem im Schnee Spuren, die zum Hof Hinterkaifeck hinführten, aber nicht wieder von ihm weg. Ebenso vermissten die Bewohner der Einöde einen Haustürschlüssel. 

 


Außerdem hatte jemand an der Motorhütte des Hofes das Vorhängeschloss aufgebrochen und im Stall ein Rind losgebunden. Darüber hinaus bemerkten die Hinterkaifecker, dass das Anwesen vom Wald aus wiederholt von einem Mann mit Schnauzbart beobachtet wurde. 

 

 

In der Nacht hörten sie auf dem Dachboden über ihren Schlafräumen Schritte, doch Andreas Gruber fand niemanden, als er das Gebäude durchsuchte. Obwohl er mehreren Menschen von diesen angeblichen Beobachtungen erzählte, weigerte er sich, Hilfe von Außenstehenden (Nachbarn oder Polizei) anzunehmen. 

 

 

Nach Aussage einer Schulfreundin der siebenjährigen Cäzilia Gabriel soll diese auch berichtet haben, dass ihre Mutter Viktoria in der Nacht vor der Tat nach einem heftigen Streit vom Hof geflohen und erst Stunden später im Wald aufgefunden worden sein soll. 33 Jahre später behauptete die Schulfreundin dann aber, dass nicht Viktoria Gabriel, sondern Cäzilia Gruber geflohen sei.

 

                                                                    Magd

 
Tatnacht vom 31. März auf den 1. April 1922

Am Nachmittag des 31. März 1922, einem Freitag, kam die neue Dienstmagd Maria Baumgartner auf dem Hof an. Deren Schwester, die sie dorthin begleitet hatte und den Hof nach einem kurzen Aufenthalt wieder verließ, war mit hoher Wahrscheinlichkeit vor der Tat die letzte Person, die die Bewohner lebend sah. 

 

                                                              Magdzimmer

Einige Stunden danach wurden die sechs Morde verübt. Das genaue Tatgeschehen konnte später nicht zweifelsfrei rekonstruiert werden. 

 

                                            Kammer der toten Magd die am Boden lag

Aufgrund der späteren Auffindesituation der Opfer gilt als gesichert, dass am späten Abend Viktoria Gabriel, Cäzilia und Andreas Gruber sowie die siebenjährige Cäzilia Gabriel nacheinander (vermutlich in der genannten Reihenfolge) in unmittelbarer Nähe der Übergangstür vom Stall zur Scheune mit einer vor Ort vom Täter bzw. von den Tätern vorgefundenen Reuthaue, die zum Hofbestand gehörte, erschlagen wurden. 

 

 

Bis heute ist ungeklärt, warum und in welchem zeitlichen Abstand sich die ersten vier Opfer in diesen Teil des Anwesens begeben haben. Später durchgeführte Versuche ergaben, dass Schreie aus der Scheune weder in der Mägdekammer noch im Wohn- oder Schlafzimmer zu hören waren. 

 


Durch eine Obduktion wurde später nachgewiesen, dass die siebenjährige Cäzilia, nachdem ihr der Schädel eingeschlagen worden war, noch mindestens zwei Stunden gelebt haben muss. 

 

                                                                                Cäzilia

Von der Scheune aus drangen der oder die Täter durch den Stall in den Wohnbereich ein, wo – mit derselben Tatwaffe – vermutlich zuerst die Dienstmagd Maria Baumgartner in der Magdkammer und zuletzt der zweijährige Josef in seinem Stubenwagen im Schlafzimmer seiner Mutter erschlagen wurden.

 

                                              Zweijährige Josef in seinem Stubenwagen

Entdeckung der Tat

Zwischen dem Tatzeitpunkt und der Entdeckung der Tat vier Tage später müssen sich der oder die Täter noch im Haus aufgehalten haben oder mindestens einmal dorthin zurückgekehrt sein, da das Vieh versorgt wurde. 

 


                                                                Mordwaffe

Außerdem entdeckte die Polizei später, dass der gesamte Brotvorrat aufgebraucht und Fleisch aus der Vorratskammer frisch angeschnitten worden war.

Am 1. April kamen die Kaffeeverkäufer Hans und Eduard Schirovsky in Hinterkaifeck an, um eine Bestellung aufzunehmen. Als niemand auf das Klopfen an der Tür und am Fenster reagierte, gingen sie um den Hof herum, fanden aber niemanden. 

 


Ihnen fiel lediglich auf, dass das Tor zum Maschinenhaus offenstand. Anschließend verließen sie den Hof. Am 1. sowie am 3. und 4. April fehlte Cäzilia Gabriel unentschuldigt in der Schule. 

 

 

Außerdem fiel auf, dass die Einwohner der Einöde am 2. April nicht am Sonntagsgottesdienst teilnahmen (Pfarrkirche Mariä Reinigung und St. Wendelin in Waidhofen, ein Fußmarsch von mehr als drei Kilometern, der über die Brücke über die Paar führte). 

 

                                                St. Wendelin in Waidhofen

 

Am Montag, dem 3. April, bemerkte der Postschaffner Josef Mayer, als er nach Hinterkaifeck kam, dass anscheinend niemand auf dem Hof war. 

 

                                                                     Albert Hofner

Der Monteur Albert Hofner kam am 4. April nach Hinterkaifeck, um dort wie vereinbart den Motor der Futterschneidemaschine zu reparieren. 

 


Er gab an, niemanden angetroffen und außer dem Brüllen der Kühe und dem Bellen des Hundes nichts gehört zu haben. Nach einer Stunde des Wartens fing er an, den Motor zu reparieren, und war nach etwa viereinhalb Stunden fertig. Als er anschließend noch einmal um den Hof herumging, um doch noch einen der Bewohner anzutreffen, bemerkte er, dass die Scheunentür offenstand. 

 


Ob das Tor bereits bei seiner ersten Umschau oder erst bei der zweiten geöffnet war, konnte er nicht angeben. Hofner schaute zwar in die Scheune, ging aber nicht hinein. In Gröbern traf er die Töchter des Ortsführers Lorenz Schlittenbauer und berichtete ihnen, dass die Reparaturen in Hinterkaifeck erledigt seien. 

 

                                                          Lorenz Schlittenbauer

Hofner berichtete auch Georg Greger, dem Bürgermeister von Wangen, von der gespenstischen Leere auf Hinterkaifeck. Schlittenbauer schickte daraufhin seine beiden Söhne Johann und Josef nach Hinterkaifeck, um nach dem Rechten zu sehen. 

 

                                       Georg Greger, Bürgermeister von Wangen

Als sie berichteten, niemanden gesehen zu haben, drang Schlittenbauer noch am selben Tag mit Michael Pöll und Jakob Sigl in das Gebäude ein, wo sie die größtenteils abgedeckten Leichen entdeckten.

 



Ermittlungen
Polizeiliches Vorgehen

Die ersten Polizisten am Tatort waren Beamte der Gendarmeriestation Hohenwart, die am 4. April gegen 18 Uhr eintrafen. Deren Hauptaufgabe war es, die zahlreichen Schaulustigen, die sich bald nach Bekanntwerden der Morde in Hinterkaifeck einfanden, am Betreten des Tatorts zu hindern. 

 

 
 

Bei der Polizeidirektion München ging die Meldung etwa um 18:15 Uhr ein. Unter der Leitung von Kriminaloberinspektor Georg Reingruber machten sich sechs Beamte aus München, darunter zwei Polizeihundeführer, umgehend auf den Weg und kamen um 1:30 Uhr bei Bürgermeister Georg Greger in Wangen an.

 

                                              Kriminaloberinspektor Georg Reingruber

 

Da eine Tatortbegehung bei nächtlicher Dunkelheit als zwecklos erachtet wurde, begaben sie sich erst um 5:30 Uhr morgens nach Hinterkaifeck und besichtigten zusammen mit der Gerichtskommission aus Schrobenhausen systematisch die dortigen Gebäude. 

 


Auf dem Dachboden, der durchgängig über Wohnhaus, Stall und Scheune verlief, entdeckten die Polizisten, dass der Boden mit Heu bedeckt war, anscheinend um Schritte zu dämpfen. 

 

                                                                 Leiche im Stall (Gabriel)

Außerdem waren einige Dachziegel so verschoben, dass man das gesamte Hofgelände überblicken konnte, und in einem Heuhaufen stellte man zwei Mulden fest, die davon zeugten, dass sich hier Personen befunden haben mussten. Die ersten Vernehmungen fanden im Bauernhaus in der Küche statt.

 

                                                                               Gabriel

Als Motiv wurde zunächst Raubmord vermutet, später allerdings zunehmend angezweifelt, da man nicht genau ermitteln konnte, wie viel Geld entwendet wurde. Außerdem wurde viel Geld zurückgelassen, obwohl die Täter genug Zeit gehabt hätten, das Haus genau zu durchsuchen. 

 


Bei der Obduktion durch den Neuburger Landgerichtsarzt Johann Baptist Aumüller auf einem provisorischen Seziertisch im Hof des Bauernhofes wurden den Leichen die Köpfe abgetrennt. Dabei wurde auch festgestellt, dass sich Cäzilia Gabriel in ihrem etwa zweistündigen Todeskampf büschelweise die Kopfhaare ausgerissen hatte.

 

                                               Leiche von Cäzilia Gabriel

Die Beamten der Mordkommission ermittelten in verschiedenste Richtungen und gingen selbst unwahrscheinlichen Spuren nach. Als Erstes gerieten Vorbestrafte, Hamsterer und Hausierer, die aus der Gegend von Hinterkaifeck stammten oder sich dort herumtrieben, in den Fokus der Polizei. 

 


Bereits am 8. April wurden 100.000 Mark Belohnung für Hinweise zum Täter ausgesetzt. Viele Personen wurden daraufhin verdächtigt (siehe: Tatverdächtige), und auch viele nicht stichhaltige Hinweise gingen bei der Mordkommission ein, doch die Morde konnten niemandem nachgewiesen werden. 

 


Mit den Schädeln der Opfer wurden zudem spiritistische Sitzungen mit Medien durchgeführt, die aber ebenfalls kein Ergebnis brachten.

Am 28. Februar 1930 ging Oberinspektor Reingruber in Pension, und im September desselben Jahres übernahm Martin Riedmayer (1896–1989) den Fall.


                                                    Martin Riedmayer (1896–1989)

 

Tatverdächtige

In die umfangreichen Ermittlungen wurden insgesamt etwa hundert Verdächtige einbezogen, jedoch kam es in keinem einzigen Fall zu einer Anklage vor Gericht. 

 

 

Nachfolgend sind Personen aufgeführt, die von der Polizei und/oder in der Bevölkerung als potenzielle Täter angesehen wurden, aber weder als Mörder überführt noch von der Täterschaft zweifelsfrei ausgeschlossen werden konnten.


 

Karl Gabriel

Der Tod des im Dezember 1914 während des Ersten Weltkriegs gefallenen Ehemanns der Jungbäuerin, Karl Gabriel, wurde in Zweifel gezogen. 

 

                                                                      Karl Gabriel

Dieser soll erfahren haben, dass Viktoria Gabriel nach der gemeinsamen Tochter (Cäzilia) ein uneheliches Kind hatte (Josef), und zwar womöglich mit ihrem eigenen Vater (siehe: Inzest). Daraufhin soll er die gesamte Familie erschlagen haben, um Rache zu üben. 

 

                                                                      Karl Gabriel

Obwohl Soldaten aus seinem Regiment seinen Tod bezeugten, erhielt diese Theorie im Laufe der Jahre neue Nahrung, nachdem immer wieder Personen berichteten, sie seien Gabriel begegnet oder könnten bestätigen, dass dieser seine Identität mit der eines gefallenen Kameraden vertauscht hatte.

 

                                                    Victoria Gruber mit ca. 13 Jahre

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs behaupteten unabhängig voneinander Kriegsheimkehrer aus der Region um Schrobenhausen, die vorzeitig aus sowjetischer Gefangenschaft entlassen wurden, dass sie von einem bairisch sprechenden sowjetischen Offizier nach Hause geschickt worden seien, der angegeben habe, er sei der Mörder von Hinterkaifeck. 

 

                                                    Viktoria und Andreas Gruber

Einige dieser Aussagen wurden später von den Heimkehrern selbst revidiert. Ob es sich dabei um erfundene Geschichten oder wahrheitsgemäße Aussagen handelte, kann heute nicht mehr zweifelsfrei nachgewiesen werden. 

                                                                      Mordwaffe

 
Lorenz Schlittenbauer

Lorenz Schlittenbauer war der Ortsvorsteher von Gröbern und galt damals wie heute als einer der Hauptverdächtigen. Er hatte kurz nach dem Tod seiner ersten Frau ein Verhältnis mit Viktoria Gabriel und galt ebenfalls als möglicher Vater ihres Sohnes Josef. 

 

                                                                    Lorenz Schlittenbauer

Nach mehrmaligem Widerrufen erkannte er schließlich die Vaterschaft an, zahlte aber keinen Unterhalt. Er wurde – auch von der Bevölkerung – als Täter verdächtigt, weil er sich durch einige Handlungen und Andeutungen bezüglich der Morde verraten haben soll. Beispielsweise wurde beim Fund der Leichen ein Tor aufgebrochen, weil sämtliche Türen am Hof verschlossen waren. 

                                                                 Tor verschlossen
 

Nach Auffinden der Toten verließen seine beiden Begleiter schockiert den Stall, während Schlittenbauer alleine in das Haus weiterging, in dem er sich gut auszukennen schien. Er schloss dann – für die anderen Zeugen deutlich hörbar – die Haustür von innen mit dem Schlüssel auf. 

 

 

Schlittenbauer gab später an, dieser habe in der Tür gesteckt. Eben jener einzige Schlüssel wurde jedoch von den Opfern kurz vor der Tat vermisst. 

 

                                    Pfarrer Haas wusste das Geheimnis von Schlittenbauer

Des Weiteren wohnte er nur 350 Meter entfernt und hätte problemlos nicht nur den Hof ausspionieren, sondern sich auch unentdeckt zwischen seinem Anwesen und dem Tatort bewegen können.

                                                            Lorenz Schlittenbauer

Auch noch Jahre später wurde Schlittenbauer aufgrund merkwürdiger Äußerungen (so soll er am örtlichen Stammtisch bei Spekulationen über den Tathergang gelegentlich vom Täter in der Ich-Form gesprochen haben) immer wieder mit der Tat in Verbindung gebracht. 

 


Eingang in die Akten fand auch eine Begegnung des damaligen Dorflehrers Hans Yblagger mit Schlittenbauer an den Mauerresten des abgebrochenen Hofes Hinterkaifeck im Jahr 1925. 

 

 

Der junge Lehrer überraschte ihn über den noch vorhandenen Kellereingang gebeugt und war verwundert über seine ausgesprochen schreckhafte und verwirrte Reaktion, als er ihn ansprach. Schlittenbauer erzählte daraufhin von einem angeblichen Versuch des Täters, die Leichen am Ort ihres Auffindens zu vergraben, was aber aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht möglich gewesen sei. 

 


Diese Information hatte vorher weder Schlittenbauer noch ein anderer Zeuge zu Protokoll gegeben.

Vor seinem Tod im Jahre 1941 führte und gewann Schlittenbauer mehrere Zivilklagen wegen übler Nachrede gegen Personen, die ihn als „Mörder von Hinterkaifeck“ bezeichneten.

 

                                                              Der getöte Hund

Josef Bärtl

Der 1897 geborene, aus dem nahen Geisenfeld stammende, angeblich geisteskranke Bäcker Josef Bärtl wurde schon bald nach der Tat als Mörder verdächtigt, da er 1921 aus der Kreis-Heil- und Pflegeanstalt Günzburg geflohen war. 

 

                                                                     Josef Bärtl

Ihm wurde ob seines Geisteszustands sowie aufgrund seiner vermuteten Beteiligung an einem Mord im Jahre 1919 die Tat zugetraut, und ein Medium hatte ihn bei einer der spiritistischen Sitzungen anhand einer Fotografie als Täter identifiziert. Zwar gaben immer wieder Zeugen an, Bärtl begegnet zu sein, doch er konnte von der Polizei nie mehr aufgegriffen werden.

 

 


Gebrüder Gump

Bereits am 9. April 1922 ließ Kriminaloberinspektor Georg Reingruber die Fahndung nach Adolf Gump, Wilhelm Dreßel, Wilhelm Musweiler alias Weiland und dem früheren Kriminalbeamten Friedrich N. alias Fischer ausschreiben. 

 


Alle vier sollen mit dem Freikorps Oberland in Oberschlesien einmarschiert sein und dort an der Ermordung von neun Bauern mitgewirkt haben. Reingruber konnte nicht ausschließen, dass Adolf Gump auch an den Morden in Hinterkaifeck beteiligt war, weswegen er die entsprechenden Gendarmeriestationen anwies, bei einer möglichen Festnahme diesen nach seinem Alibi vom 30. und 31. März sowie vom 1. April 1922 zu fragen.

 



1951 ermittelte Staatsanwalt Andreas Popp gegen Adolfs Bruder Anton Gump wegen des Verdachtes, dass die beiden Brüder die Morde auf Hinterkaifeck begangen hätten. Der Verdacht stützte sich auf die Anschuldigung der Schwester der beiden. 

 

                                                                      Anton Gump

 Kreszentia Mayer behauptete auf dem Sterbebett gegenüber dem Priester Anton Hauber, dass ihre beiden Brüder Adolf und Anton die Morde verübt hätten. Anton Gump kam infolgedessen in Untersuchungshaft, Adolf war bereits 1944 verstorben. Nach kurzer Zeit wurde Anton allerdings wieder entlassen, und 1954 wurde das Verfahren gegen ihn endgültig eingestellt, da ihm keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden konnte.

 

 
Die Brüder Karl und Andreas S. aus Sattelberg

Im Jahr 1971 schrieb eine Frau namens Therese T. einen Brief, in dem sie sich auf ein Ereignis in ihrer Jugend berief: Im Alter von zwölf Jahren wurde sie Zeugin, als ihre Mutter Besuch von der Mutter der Brüder Karl und Andreas S. erhielt. 

 

                                                 Familie von Hinterkaifeck

Diese behauptete, ihre Söhne seien die beiden Mörder von Hinterkaifeck. Interessant war die Tatsache, dass die Mutter den Satz „Andreas reute es, dass er sein Taschenmesser verlor“ im Laufe des Gesprächs sagte. 

 


Tatsächlich wurde beim Abriss des Hofes im Jahr 1923 ein Taschenmesser gefunden, das niemandem eindeutig zugeordnet werden konnte und dessen Existenz allgemein nicht bekannt war. Allerdings hätte das Messer einem der Mordopfer gehören können. Auch diese Spur wurde ohne Ergebnis verfolgt. 

 

 

Kreszenz Rieger, die ehemalige Magd von Hinterkaifeck, war sich sicher, das Taschenmesser schon in ihrer Dienstzeit auf dem Hof gesehen zu haben.
Peter Weber

Peter Weber wurde von Josef Betz als Verdächtiger genannt. Beide arbeiteten im Winter 1919/1920 als Hilfsarbeiter und teilten sich eine Kammer. 

 


Laut Betz sprach Weber in der Zeit von einem abgelegenen Hof, nämlich Hinterkaifeck. Weber waren auch die Verhältnisse in Hinterkaifeck bekannt. So erzählte er, dass dort nur ein altes Ehepaar mit seiner Tochter und deren zwei Kindern wohnte. 

 


Außerdem wusste er wohl vom Inzest zwischen Gruber und seiner Tochter. Betz sagte in einer Vernehmung aus, dass Weber vorgeschlagen habe, den Alten zu erschlagen, um an das Gold zu kommen. Als Betz nicht auf das Angebot einging, hörte Weber auf, darüber zu reden.

                                                                      Mordwaffe
 

Gebrüder Bichler und Georg Siegl

Die ehemalige Magd Kreszenz Rieger arbeitete von November 1920 bis ca. September 1921 auf Hinterkaifeck. Sie verdächtigte die Brüder Anton und Karl Bichler, den Mord begangen zu haben. Anton Bichler soll bei der Kartoffelernte auf Hinterkaifeck mitgeholfen haben und kannte deswegen die Räumlichkeiten. 

 


Anton Bichler soll auch öfter neben ihr schlecht über die Familien Gruber und Gabriel geredet haben. Von einer alten Dame bekam sie mit, dass Anton gesagt haben soll, dass die Kaifecker alle erschlagen gehören. 

 

Die Magd betonte in ihrer Vernehmung auch ausdrücklich, dass der Hofhund, der jeden anbellte, bei Anton nie bellte. Darüber hinaus berichtete sie von einer Begegnung mit einem Unbekannten, der nachts vor ihrem Fenster stand und nach einem Wortwechsel wieder ging. 

 

                                                      Orginal Bild vom Hund

Die Magd glaubte, dass es Karl Bichler, der Bruder von Anton, war. Sie sagte auch aus, dass Anton und Karl Bichler den Mord zusammen mit Georg Siegl hätten begehen können. Georg Siegl arbeitete eine Zeit lang auf Hinterkaifeck und soll auch über das Vermögen der Kaifecker gewusst haben. 

 


Dabei soll Siegl Anfang November 1920, während das Ehepaar Gruber und Viktoria Gabriel auf dem Feld arbeiteten, einen Einbruch auf Hinterkaifeck begangen haben. Er soll durch ein offenes Fenster in das Haus geklettert sein und geräuchertes Fleisch, Eier, Brot und Kleidung gestohlen haben. 

 


Die Kaifecker hätten nur noch gesehen, wie Siegl in den Wald flüchtete. Trotz dieser Ereignisse wurde er im September 1921 für einige Tage wieder als Knecht eingestellt. Georg Siegl bestritt in einer Vernehmung den Diebstahl und beschuldigte Josef Hartl aus Waidhofen der Tat. 

 


In einer späteren Vernehmung sagte er außerdem aus, dass er den Stiel der Reuthaue (Tatwerkzeug des Mordes) selbst geschnitzt hätte, als er als Knecht auf Hinterkaifeck arbeitete. Die Reuthaue hätte man damals immer in der Scheunendurchfahrt aufbewahrt.

 
Gebrüder Thaler

Auch die Thaler-Brüder galten nach einer Aussage der ehemaligen Magd Kreszenz Rieger als verdächtig. Die Gebrüder Thaler hätten vor der Tat in der Umgebung schon mehrere kleine Einbrüche begangen. 

 

                                                                        Thaler Josef

 

Zur Kartoffelerntezeit 1921 sollen sich mehrere ungewöhnliche Zwischenfälle ereignet haben. Josef Thaler soll nachts öfters an ihrem Fenster gestanden haben. Als sie das Fenster einmal öffnete, soll Josef Thaler sie über die Gruber- und Gabriel-Familie ausgefragt haben, wobei sie aber keine Antworten auf seine Fragen gab. 

 

                                                               Gabriel Josef Thaler

Im Gespräch behauptete Josef Thaler, zu wissen, welcher Kaifecker in welchem Zimmer schlief. Des Weiteren gab er an, dass die Kaifecker viel Geld hätten. Das Geld würden sie tagsüber an einem anderen Ort verstecken als nachts. Nach ca. 30 Minuten ging Josef Thaler. Dabei bemerkte die Magd, dass noch eine zweite unbekannte Person in der Nähe war. 

 

                                                  Magdkammer mit der Leiche

Nach ihrer Aussage sahen sich Josef Thaler und der Unbekannte das Maschinenhaus an und wandten ihre Blicke nach oben. Die Magd glaubte, dass der Unbekannte Andreas, der Bruder von Josef, sei. Zur gleichen Zeit soll sich auch die Tür der Magdkammer gegen Mitternacht immer wieder von alleine geöffnet haben. Aus Angst kündigte Kreszenz Rieger dann nach vier Wochen.

 

                            Hinter der Kirche liegen die 5 Opfer (siehe schwarzen Obelisk)


Finanzielle Situation

Die Familie Gabriel-Gruber war angeblich wohlhabend. Ihr Vermögen, das seitens Lorenz Schlittenbauer auf 100.000 Mark geschätzt wurde, war sowohl in Pfandbriefen und Kriegsanleihen als auch in Schmuck, Gold- und Silbermünzen angelegt. 

 

Kein anderer als Lorenz Schlittenbauer hatte Grund dazu, auf dieses Sterbebildchen seinen Frust gegen Andreas Gruber zum Ausdruck zu bringen

 

 

Ca. 1900 links nach rechts Bürgermeister Georg Greger, Viktoria Gruber ca. 13, Vater Andreas Gruber




Außerdem verfügte sie über ein beträchtliches Barvermögen. Darüber hinaus besaß sie 50 Tagwerk (ca. 17 Hektar) Land und einige Stück Vieh (Rinder, Schweine und Hühner). Als der Mord geschah, war der Neubau des Stalls geplant.

Soziale Situation

Die Bewohner der Einöde lebten zurückgezogen und galten in der Dorfgemeinschaft Gröbern als geizig. Um Geld zu sparen, beschäftigten sie – zum Teil illegal und oft nur für einige Wochen – unter anderem umherziehende Hilfsarbeiter.

                                                                    Die Leichen

Inzest

Zwischen dem Vater Andreas Gruber und seiner Tochter Viktoria bestand eine inzestuöse Beziehung mindestens seit dem 16. Lebensjahr der Tochter. Deshalb wurden beide 1915 verurteilt – der Vater zu einem Jahr Zuchthaus und die Tochter zu einem Monat Gefängnis. Einmal wurden die zwei von einer Magd im Heu erwischt.

 

                                                    Victoria und Andreas Gruber

Außerdem halten sich Gerüchte, dass der 1919 unehelich geborene Josef nicht von Lorenz Schlittenbauer, sondern von Andreas Gruber gezeugt worden sei. Andreas Gruber soll auch versucht haben, eine Ehe zwischen den beiden Verwitweten, Viktoria Gabriel und Lorenz Schlittenbauer, zu verhindern. 

                                                       Lorenz Schlittenbauer
 

Daraufhin leugnete Schlittenbauer die Vaterschaft und zeigte Andreas Gruber im September 1919 wegen Blutschande an. Da Andreas Gruber bereits vorbestraft war, wurde er in Untersuchungshaft genommen. 

 

                                                     Andreas Gruber ca. 42 Jahre alt

Kurz darauf nahm Schlittenbauer seine Anschuldigungen zurück und erkannte die Vaterschaft an. Einige Zeit später lehnte er sie allerdings erneut ab und bekräftigte seine vorherigen Vorwürfe. Auch aufgrund dieser widersprüchlichen Aussagen kam es schließlich zu keiner weiteren Verurteilung, Gruber war bereits zuvor wieder aus der Haft entlassen worden.

 

                                       Da lag der Junge ermordet drin ca. 2 Jahre alt

 
Erbe

Im Erbschein vom 7. Juni 1922 wurde das Vermögen zur einen Hälfte der Familie des Andreas Gruber und zur anderen der aus erster Ehe stammenden Tochter von Cäzilia Gruber, Cäzilia Starringer, zugesprochen. Sämtliches Gold- und Silbergeld sollte wegen Steuerhinterziehung an den Fiskus abgetreten werden (dies wurde später jedoch revidiert, und die Erben konnten das Geld erhalten). 

 

Rechts Andreas Gruber 63, Cäzilia mitte 72 Jahre,Viktoria rechts 35 J., ihre Kinder 7 und 2 Jahre, hinten Magd Maria Baumgartner 44 Jahre



                                                                Die Leiche

Karl Gabriel sen., Vater von Viktoria Gabriels verstorbenem Ehemann und Großvater der Cäzilia Gabriel, klagte daraufhin mit der Begründung, die siebenjährige Cäzilia als Universalerbin sei nachweislich nach ihrer Mutter ums Leben gekommen. 

 

                                                                   Karl Gabriel sen.

 

Diese und alle weiteren Klagen Karl Gabriels wurden vom Gericht abgelehnt. Schlussendlich erwarb Josef Gabriel (Sohn des o. g. Karl Gabriel und Schwager der ermordeten Viktoria Gabriel) das Anwesen von der 13-köpfigen Erbengemeinschaft am 22. September 1922 für 3 Millionen Mark.

 


                                                                      Josef Gabriel

 

 Fund der Tatwaffe

Im Februar 1923 begann Karl Gabriel sen., mit einigen Helfern den Mordhof abzureißen. Beim Abriss wurde das blutverschmierte Tatwerkzeug gefunden, eine Reuthaue, die aus dem Besitz von Andreas Gruber stammte und auf dem Dachboden unter den Dielenbrettern (im sogenannten Fehlboden) in der Nähe des Kamins versteckt worden war. 

 


Es ließ sich zweifelsfrei nachweisen, dass eine überstehende Schraube, die offenbar bei einer unfachmännischen Reparatur angebracht worden war, Verletzungsspuren bei den Opfern hinterlassen hatte. Brauchbare Fingerabdrücke konnten zwar nicht mehr festgestellt werden, wohl aber Anhaftungen von menschlichen Haaren.

 
Ergebnis der Ermittlungen

Trotz wiederholter Festnahmen ist bis heute kein Täter gefunden, die Akten wurden 1955 geschlossen. Trotzdem fanden noch 1986 letzte Vernehmungen statt, und Kriminalhauptkommissar Konrad Müller ermittelte noch im Ruhestand weiter. Im Alter von 83 Jahren übergab er 2018 seine gesammelten Akten zu dem Fall an das Bayerische Polizeimuseum in Ingolstadt.

 


 
                                             Kriminalhauptkommissar Konrad Müller

 

 

Ungereimtheiten beim Fall und Ermittlungsversäumnisse

Im Augenscheinprotokoll der Gerichtskommission Schrobenhausen wurde vermerkt, die Opfer seien wahrscheinlich durch Unruhe im Stall (brüllendes, losgebundenes Vieh) in den Stall gelockt worden. 

 

                                      Kriminalhauptkommissar Konrad Müller

 

Ein Versuch ergab allerdings, dass zumindest menschliche Schreie aus dem Stadel (Tatort bzw. Fundort von Andreas und Cäzilia Gruber sowie Viktoria und Cäzilia Gabriel) nicht im Wohnbereich zu hören waren. Daraus ergibt sich die Frage, ob die Hinterkaifecker wirklich wie oben beschrieben in den Stadel gelockt wurden oder auf eine andere unbekannte Weise.

 

                                                                   Leichenfund

In der Nacht nach der Tat (also noch drei Tage vor dem Auffinden der Leichen) beobachtete der zufällig an Hinterkaifeck vorbeikommende Handwerker Michael Plöckl, dass der Backofen des Hofes von einer ihm unbekannten Person angeheizt worden war. 

 


Die Person sei daraufhin mit einer Taschenlampe auf ihn zugekommen und habe ihn dabei geblendet, woraufhin er eilig seinen Weg fortgesetzt habe. Plöckl bemerkte außerdem, dass der Rauch vom Kamin einen widerlichen Geruch hatte. Weder wurde dieser Vorfall näher untersucht, noch sind Ermittlungen bekannt, die festgestellt hätten, was in jener Nacht in dem Backofen verbrannt worden war.

 

 

Am 1. April um 3 Uhr morgens will der Landwirt und Metzger Simon Reißländer auf dem Nachhauseweg in der Nähe von Brunnen zwei unbekannte Gestalten am Waldrand gesehen haben. Als die Unbekannten ihn sahen, drehten sie sich so um, dass man ihre Gesichter nicht sehen konnte.


Das persönliche Umfeld der Opfer wurde nur unzureichend untersucht. Dies gilt in den ersten Jahren insbesondere auch für die neue Magd Maria Baumgartner. Dabei ist es immerhin bemerkenswert, dass die Morde wenige Stunden nach ihrer Ankunft auf dem Hof geschahen. Es ist zumindest möglich, dass das Mordmotiv mit ihrer Person in Verbindung steht.

                                                               Magdzimmer

In den 1970er Jahren wurde beim Abriss der Sakristei der St.-Vitus-Kirche in Hagelstadt ein Sterbebild der Familie in einem Kirchenbuch gefunden, das die handschriftlichen Vermerke neidisch wucherisch, in ganzer Umgegend verachtet, wg Sittlichkeit 1 Jahr, Blutschande und Strafe Gottes trägt. Wer das Bild vermutlich bereits in den 1920er Jahren beschriftete und wie oder wann es in das etwa 85 Kilometer entfernte Hagelstadt gelangte, ist nicht bekannt.

 


 

 

 

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